Baubericht F-35B
Über Noldi
Noldi Meier ist seit Anfang 1994 Mitglied des Modellflugvereins Bassersdorf und hat seither mehrere eindrucksvolle Modellflugzeuge gebaut. Sein aktuelles Projekt ist ein Nachbau des Militärjets F-35B, jenes Jets, der schon bald auch im Schweizer Luftraum im Original zu sehen sein wird. Am Modell baut Noldi schon seit 6 Jahren und wird es demnächst mit dem Erstflug erfolgreich fertigstellen können. Dies im Alter von 92 Jahren!
Faszination Hightech im Kleinformat
Der F-35B „Lightning II“ gilt als einer der modernsten Militärjets der Welt, entwickelt und gebaut vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin in Bethesda. Seine Vielseitigkeit und technische Raffinesse haben weltweit für Aufsehen gesorgt und auch Arnold „Noldi“ Meier inspiriert. Im Massstab 1:5 hat er den Hightechjet detailgetreu nachgebaut, ein herausragendes Projekt, das nicht nur flugtechnisch beeindruckt, sondern auch handwerklich höchste Präzision erfordert.
Im Folgenden schildert Noldi seine Motivation sowie die Umsetzung dieses äusserst anspruchsvollen Bauprojekts.
Projektbeschreibung
Mit diesem Beitrag möchte ich den Konstruktions- und Bauaufwand dieses Modells mit den beigefügten Fotos detailliert dokumentieren.
Erfahrungshintergrund und Motivation
Was brachte mich dazu, mich an einem solch anspruchsvollsten Modellbau zu engagieren? Ja, ein solches Modell kann man ohne technische und handwerkliche Erfahrung kaum bauen. Daher dürfte eine kurze Vorstellung meiner Person wissenswert sein.
Nach der Schule lernte ich Feinmechaniker (heute Polymechaniker genannt) in der Maschinenfabrik Oerlikon MFO, wobei auch das technische Zeichnen und die Elektrotechnik mit zur Ausbildung gehörten. Anschliessend trat ich als Servicetechniker bei der Fa. Walter Meier Werkzeugmaschinen AG ein. Während 10 Jahren Mitarbeit im technischen Aussendienst mit jeweils mehrmonatiger Ausbildung in Deutschland, Italien, Schweden, Holland, England und den USA und dem Besuch verschiedener Weiterbildungskurse trat ich anschliessend als Verkaufsingenieur von Werkzeugmaschinen bei der Fa. Italmachine ein. Während 10 Jahren Verkaufstätigkeit mit Prokura erarbeitete ich mir das notwendige Vertrauen der Kunden und Werke, was mich zur Gründung und erfolgreichen Führung eines eigenen Geschäftes, der Firma Arnold Meier Werkzeugmaschinen AG, bewog.
Nach meiner Pensionierung entschloss ich mich nach einem Besuch eines Modellflugplatzes anlässlich der Hannover Messe, den Modellflugbau und das Modellfliegen zu meinem Hobby zu machen. All die gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse gaben mir die Fähigkeit, mich mit dem anspruchsvollen Flugzeugmodellbau zu befassen. Ich hatte an der Technik immer grosses Interesse, was bis heute so geblieben ist Der Eigenbau verschiedener Modelle, erwähnt seien der Learjet 35, der Pilatus PC-21, der Jumbo 747/400 und im Besonderen der Pilatus PC-24 und schliesslich der F-35B, reizte mich besonders.
Dieser fachliche Hintergrund, ergänzt mit jahrzehntelanger Modellbauerfahrung, verleitete mich zur Realisierung des Senkrechtstarters F-35B, entwickelt von den Lockheed Martin-Werken.
Über den F-35B
Dieser Militärjet wird nach dem Urteil der Fachleute zur Zeit weltweit als der modernste Kampfjet eingestuft. Neben der exklusiven Bauart als Tarnkappenjet sind vor allem das schwenkbare Triebwerk, der Lifter im Rumpfvorderteil sowie die Stabilisierungsdüsen an den Flügelwurzeln besonders interessant.
Diese Konstruktion unterscheidet sich wesentlich zu dem bekannten, von den Engländern entwickelten und gebauten Hawker Siddeley Harrier, der mit vier schwenkbaren Düsentriebwerken am Rumpf ausgerüstet ist. Wenn man diese Antriebskomplexität mit der schwenkbaren Düse, entwickelt von den Lockheed Martin-Werken, etwas genauer studiert, so muss man diesen Ingenieuren ein Lob der Sonderklasse aussprechen, unwahrscheinlich, was da entwickelt wurde. Dieser Jet ist für den Schub- wie auch den Schwebeflug und zur Stabilisierung mit nur einer Turbine mit verschiedenen Ausgängen ausgerüstet. Damit ist gemeint, dass der Lifter hinter dem Cockpit wie auch die beidseitig abgehenden Luftkanäle von dieser Turbine angetrieben werden.
Konstruktion
Wohlverstanden konstruierte ich diesen F-35B in alter Konstruktionstechnik (Zeichenbrett), da ich im Bereich der CAD-Technik in meinem Alter nicht mehr mitreden kann. Selbstverständlich wäre diese komplexe Formenkonstruktion dadurch wesentlich einfacher gewesen. Aber ich erinnere daran, dass der gewaltige Jumbo Boeing 747 auch noch in einer Zeichenbrettkonstruktion zustande kam. Diesen damaligen Konstrukteuren gehört heute noch grosser Respekt gezollt.
- Aus Gewichtsgründen entschied ich mich, den Rumpf in 3 mm Wabentechnik im Vakuumverfahren zu bauen, wobei mich meine Freunde Julius und Dom aktiv unterstützten. Zur Rumpfstabilität sind sämtliche Spannten und Halterungen in 8 mm Wabenplatten gefertigt und geben dem Modell, trotz der leichten Bauart, gesamthaft eine grosse Stabilität.
- Bei meinem Modell sind ausser der Schwenkturbine als Hauptantrieb der Einfachheit halber alle übrigen Antriebe mit Impellereinheiten bestückt.
- Die Flügel, Höhen- und Seitenruder sind in der für mich gewohnten Styropor-GFK-Bautechnik gebaut, die sich in all meinen früher gebauten Modellen bestens bewährt hat.
- Die elektronische Stabilisierungsregelung für den Schwebe- und Vertikalflug bedeutete für mein Modell eine besondere Herausforderung. Diese war nur mit einer Art Drohnensteuerung möglich.
Anfangs wollte ich, dass dieses doch recht grosse Modell ohne Vorführung beim BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt) für die Fluggenehmigung durchkommt. Vorführungen sind in der Schweiz rechtlich vorgeschrieben bei Modellen mit mehr als 30 kg Modellgewicht (Deutschland 25 kg). Leider konnte das dann nicht eingehalten werden. So mussten noch Verstärkungen für die Flügelbefestigung angebracht werden, um die vorgeschriebenen Belastungswerte für eine Fluggenehmigung zu erreichen. Diese Option mit den zusätzlich höheren Gewichten für die Version B war gegen Ende des Baus noch unbekannt. Spätere Gewichtsmessungen ergaben, dass man weder mit dem Modell in der Version Type F-35A (ohne Schwebe- und Vertikalflug), noch in der Version B (für Schwebe- und Vertikalflug) unter der Gewichtslimite geblieben wäre. Wir planten ohnehin, dass das Modell für die ersten Testflüge in der Version F-35A geflogen werden sollte. Erst später sollte dann der Flug in der Version Type F-35B als Senkrechtstarter mit Schwebeflug erfolgen, wobei sich das Gesamtgewicht durch die zusätzlich eingebauten Impellermotoren und Lipos (Akkus) nochmals erheblich steigerte und sich eine BAZL-Abnahme daher ohnehin nicht umgehen lässt.
Dank für die Unterstützung
Ein besonderes Lob und Dankeschön möchte ich auch meinen Freunden Julius und Dom aussprechen. Dom half mit seiner Erfahrung bei der Wabentechnik und dem späteren Spachteln. Julius als zukünftiger Pilot des Modells war in den ersten erwähnten Arbeitsschritten ebenfalls mit dabei, danach übernahm er die Malerarbeiten mit den fein säuberlichen Beschriftungen und zum Schluss die kompletten Verdrahtungs- und Justierarbeiten mit der aufwendigen Programmierung zum fertig steuerbaren Modell.
Impressionen vom Modellbau
